Open Access Bücher in der Linguistik

Ich gebe zu, dass ich erst kürzlich auf Stefan Müller aufmerksam geworden bin, nachdem er sich unter meinem Liveblogging-Beitrag zu Wort meldete. Stefan Müller ist Linguist an der FU Berlin im Bereich Deutsche Grammatik und arbeitet gemeinsam mit Martin Haspelmath (seines Zeichens ebenfalls Linguist, allerdings am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie) und vielen anderen an der Gründung einer Initiative für Open Access Bücher im Bereich Linguistik.

Auf vielen Veranstaltungen hört man nicht selten ein und dasselbe Argument, dass die Umsetzung von Open Access in einer OA Zeitschrift nicht so einfach zu realisieren sei, weil es die Verlage vor verschiedene Probleme stellt. Wie Stefan schon in den Kommentaren erwähnte könnte das bei Büchern ein wenig anders sein:

 Kurz, die ganze Sache ist nicht so einfach, wenn es um Zeitschriften geht. Ich denke, bei Büchern ist das anders, denn ein Buch steht viel mehr für sich allein. Hier kann man (hoffentlich) relativ schnell eine alternative Infrastruktur aufbauen. Martin Haspelmath und ich versuchen das jetzt gemeinsam mit vielen anderen.

Mit dem Kickoff-Meeting am Montag ist das Projekt OALI nun in die heiße Umsetzungsphase gegangen. Im Grunde geht es darum:

…the pub­li­ca­tion on a cen­tral stor­age and archiv­ing serv­er in com­bi­na­tion with print on de­mand ser­vices. The copy­right is grant­ed by the Cre­ative Com­mons CC BY, which al­lows the work to be print­ed and fig­ures to be reused, pro­vid­ed the orig­i­nal work is cited. The trans­la­tion rights re­main with the au­thor. The au­thors can ad­di­tion­al­ly put a PDF file of their work on their web page and for those of us who pre­fer print­ed books, print­ed copies will be avail­able.

Dabei steht man generell vor ähnlichen Herausforderungen wie es OA Zeitschriften tun würden:

  • Wie sichert man die Qualität (und wer tut dies)?
  • Wer kümmert sich um das Setzen?
  • Wie betreibt man das Marketing (und wer übernimmt diese Aufgabe)?
  • Wie garantiert man die langfristige Erreichbarkeit der Dokumente?

Stefan Müller hat auf dem Kickoff-Meeting eine kurze Einführung gegeben (die Präsentation ist als PDF erhältlich) die die Voraussetzungen und diese Punkte näher beleuchtet – etwas ausführlicher behandelt er das Thema in seinem Artikel „A Personal Note on Open Access in Linguistics“ (PDF). Dem Projekt haben sich bereits eine ganze Reihe von Unterstützern angeschlossen, mit dem Kickoff geht es nunmehr in die produktive Phase. Nach dem Zeitplan (der ein Diskussionsvorschlag gewesen ist, wie Stefan in den Kommentaren anmerkt) soll im November noch der Verein gegründet werden (Stefan weist auch hier darauf hin, dass kein Verein gegründet wird) und die Software bereitstehen. Im Dezember sollen Ankündigungen und Calls for Support/Series Proposals/Books erfolgen. Die erste Buchpublikation ist für Juni nächsten Jahres avisiert.

Weitere Informationen zum Projekt erhält man übrigens auf der Open Ac­cess Books in Lin­guis­tics Mail­ing List, auf der  OALI-de­vel­op­ers list oder im Freescienceblog das Martin Haspelmath und Stefan Müller betreiben.

Bei mir kommt zu diesem Thema noch die Frage auf, wie es um die Forschungsdaten und verwendeten Tools steht. Wenn ich es richtig einschätze gibt es gerade in der Linguistik durchaus mehrere Forschungsbereiche, die sich auch quantitativer Analysemethoden bedienen (Stichwort Korpuslinguistik, Computerlinguistik, etc.). Gibt es hier ein begleitendes Repositorium wo Forschungsdaten und verwendete/geschaffene Tools unter entsprechenden Lizenzen (Open Data/Open Source) zur Verfügung stehen?

Den beteiligten Personen kann man nur viel Erfolg wünschen, ich denke das Vorhaben hat einige spannende Aspekte.