Die Forderung nach Open Access als Defaultsetting nach #pdftribute

Mit dem Freitod von Aaron Swartz am vergangenen Freitag ist nicht nur eine feste Größe der Netzwelt gegangen, sondern auch die Diskussion um Open Access gefühlt wieder ein wenig mehr aufgeflammt. Aaron sah sich einer Anklage durch die amerikanische Staatsanwaltschaft ausgesetzt, da er sich 2010 Zugang zur Datenbank JSTOR verschafft hatte und dort angeblich 4,8 Millionen wissenschaftliche Beiträge heruntergeladen hatte, um diese zu befreien. Zwar veröffentlichte er diese nicht weiter, sondern gab sie zurück, dennoch wollte das Department of Justice nicht auf eine Anklage verzichten. Im Falle einer Verurteilung drohten ihm bis zu 35 Jahre Gefängnis und eine Million US-Dollar Strafe, ein Strafmaß das in meinen Augen mehr als übertrieben sein dürfte, zumal JSTOR mittlerweile Teile seines Archivs ohnehin geöffnet hat. Weitere Informationen kann man in diversen Blogbeiträgen nachlesen, an dieser Stelle möchte ich die von Lawrence LessigCory DoctorowPeter Sunde und Dana Boyd empfehlen.

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden seines Ablebens gab es bei Reddit – jener Diskussions-Website an deren Aufbau Swartz beteiligt war – einen Aufruf an Wissenschaftler ihre wissenschaftliche Publikationen frei ins Netz zu stellen. Mittlerweile sind Hunderte Wissenschaftler diesem Aufruf nachgekommen und haben ihre Veröffentlichungen frei online gestellt und die entsprechenden Links über Twitter unter dem Hashtag #pdftribute verbreitet. Mit pdftribute.net gibt es mittlerweile auch eine Website die entsprechenden Tweets scraped und auflistet. Eva Vivalt hat zudem die Tweets rund um den Hashtag in einem Archiv zusammengefasst.

Inzwischen gibt es diverse Stimmen die sich mit der Hoffnung tragen, dass der „Ruck“ der derzeit mit #pdftribute durch das Netz geht, auch entsprechend Nachklang erhält und der Open Access Bewegung ein wenig Vorschub leisten kann. Ich habe das Ganze heute drüben in meinem Podcastprojekt Open Science Radio besprochen und verweise einfach mal darauf: OSR002 #pdftribute und Open Access

Screenshot_OSR002

Ich kann mich der Hoffnung nur anschließen, dass der Wind um #pdftribute nicht nur ein Lüftchen ist, sondern nachhaltig eine Wirkung erzielt: Open Access muss das Defaultsetting für die Publikation wissenschaftlicher Beiträge werden. Allerdings darf man sich nicht täuschen, es kann und wird nicht Ende der Entwicklung sein. Denn mit wissenschaftlichen Texten ist nur ein Element im Produktportfolio des wissenschaftlichen Systems abgedeckt, da darf die Entwicklung jedoch nicht stehenbleiben. Der nächste Schritt wäre – ganz im Sinne von Aaron Swartz – die „Befreiung“ wissenschaftlicher Primärdaten (Rohdaten), und auch das dürfte nicht der letzte sein.

Hoffen wir also, dass Open Access nach #pdftribute nicht nur ein Lippenbekenntniss bleibt, sondern bei vielen Wissenschaftlern Anwendung findet. Denn das wäre das eigentliche Tribut den Aaron verdient.