Recently: Kein Paper mehr verpassen

Im Kern von Open Science und öffentlicher Wissenschaft steht der offene Zugang zu wissenschaftlichen Informationen. Vor Kurzem lief mir mit Recently ein Projekt über den Weg das genau diesen Punkt aufgreift und versucht den Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen (in Form von Artikeln) anders zu gestalten.

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www.recentlyapp.com

Es gibt verschiedene Wege auf dem Laufenden zu bleiben was die Erscheinung von wissenschaftlichen Artikeln in Fachmagazinen angeht. Man kann von Zeit zu Zeit direkt bei den Journals schauen, was spätestens dann anstrengend wird, wenn es um eine Vielzahl von Journals geht. Oder man kann sich per Mail, RSS-Feed oder Google Alert über Neuerscheinungen informieren lassen. Das aber kann wiederum schnell in Benachrichtigungsterror im eigenen Mailpostfach enden und eine Vielzahl der Benachrichtigungen dürften Paper betreffen die einen nur am Rande oder gar nicht interessieren. Beide Möglichkeiten sind sicher legitim, immer aber mit Aufwand und recht großer Unübersichtlichkeit verbunden.

Genau in diese Lücke springt nun Recently eine Website die versucht relevante Paper für seine Nutzer herauszufiltern und diese nach Relevanz und Aktualität vorzuschlagen. Das ganze basiert auf der Präferenz der Nutzer und setzt auf der PubMed-Datenbank auf, ist also in der jetzigen Public-Beta-Version erst einmal für den Wissenschaftsbereich der Life Sciences verfügbar. Recently ist dabei recht einfach und „lernt“ mit der Zeit. Anfänglich gibt der Nutzer drei Paper von Interesse an und bekommt nachfolgend kontinuierlich weitere Paper vorgeschlagen die von Interesse sein könnten. Hier die Listenansicht:

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Screenshot der Listenansicht vorgeschlagener Paper

Die gelisteten Paper kann der jeweilige Nutzer dann entweder als interessant oder als weniger interessant markieren – man „liked“ sozusagen die Artikel die für einen relevant und interessant sind. So lernt der Algorithmus und die vorgeschlagenen Paper werden im Laufe der Zeit noch mehr auf den Nutzer zugeschnitten.

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Die Bewertungsfunktion (Screenshot)

Das Ganze scheint mir eine spannende Herangehensweise zu sein, und taugt meines Erachtens selbst für Nutzer die nicht oder nicht nur an den harten fachwissenschaftlichen Papern interessiert sind, sondern auch für jene (wie mich) die sich eher für Paper auf der meta-wissenschaftlichen Ebene (z.B. zum Thema Open Science) interessieren.

Und weil ich das Projekt so spannend finde, hab ich beim Gründer von Recently, Tobias Maier, mal nachgefragt, ob er mir das Projekt einmal vorstellen kann. Er hatte in seinem eigenen Blog WeiterGen bereits einen Post dazu veröffentlicht, hatte aber zum Glück nichts dagegen mir noch einmal ein paar Fragen zu beantworten – das Gespräch kann man drüben im Open Science Radio nachhören.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das Projekt wirklich interessant finde und mit dem Ausblick auf z.B. die Erweiterung auf andere Wissenschaftsgebiete und Journaldatenbanken gespannt bin, wie es sich entwickelt. Ich würde mir noch eine engere Verknüpfung mit dem Open Access Gedanken wünschen – hier wäre es bspw. schön, wenn man gleich erkennen könnte, ob es sich bei dem Paper um ein frei zugängliches Produkt handelt. Sicher gibt es noch einige weitere Funktionalitäten über die ein Nachdenken lohnt – an der Stelle ist das Team sicher dankbar für konstruktiven Input. Also, probiert es doch einfach mal aus!