Das Ohr direkt an der Wissenschaft

Dies ist Crosspost von meinem privaten Blog mfromm.de, in dem der Beitrag zuerst erschienen ist

Storytelling ist ja seit gefühlt 25 Jahren eines der Buzzwords in der beruflichen Kommunikation von Wissenschaft (aka Wissenschaftskommunikation, inbesondere der Wissenschafts-PR)1. Ich glaube Walter Benjamin hat mal über Storytelling gesagt:

„The art of storytelling is reaching its end because the epic side of truth, wisdom, is dying out.“

Das schöne ist, dass Wissenschaft oftmals in der Lage ist seine eigene Geschichte erzählen zu können, ohne dass jemand einen riesen Salmon drumherum schreibt. Oder vielmehr sind es einzelne wissenschaftliche Artefakte die mit ein wenig Kontext (z.B. Angaben wann, wo und wie diese entstanden sind) alleinstehend schon bemerkenswert weitreichende Geschichten erzählen können. Es dürfte nicht unschwer zu bemerken sein, dass ich ein durchaus audiophiler Mensch bin, und daher bin ich natürlich äußerst fasziniert wenn es sich bei solchen Artefakten um Audioaufnahmen handelt, denn Audio kann – wie ich finde – nicht nur sehr gut einen Geschichte im Kopf entstehen lassen, sondern auch noch hervorragend Stimmungen vermitteln.

In der Welt der Wissenschaft gibt es bereits seit etlichen Jahren immer mal wieder Projekte in denen es um die Auswertung von Audiosignalen geht. Und etliche Player haben bereits früh angefangen solche Audioaufnahmen auch zu veröffentlichen und somit einer breiten Masse zugänglich zu machen. Zwei Beispiele die ich immer wieder gern anführe sind dabei die NASA und das AWI. Die NASA ist sicher ein Vorreiter, da sie bereits früh angefangen haben Audioaufnahmen in Multimedia-Datenbanken zur Verfügung zu stellen – so zum Beispiel Mitschnitte aus dem Funkverkehr von Space- und Mondmissionen. Die NASA veröffentlichte aber auch schon früh Audioaufnahmen aus konkreten wissenschaftlichen Experimenten, so wie hier beispielsweise Audioaufnahmen von der Soundkulisse des Saturn. Aber auch in Deutschland gibt es mit dem AWI schon recht frühe Beispiele von wissenschaftlichen Organisationen die diesen Schritt gegangen sind und Audioaufnahmen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellten – hier beispielsweise Aufnahmen des Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean.

Auch in kürzester Zeit gab es erfreuliche Meldungen für Wissenschaftsenthusiasten und Audiophile.

Die NASA hat vor kurzem einen Soundcloud-Account eröffnet auf dem sie über 60 Audioaufnahmen zur Verfügung stellen.2 Der Vorteil gegenüber eines Multimediaarchivs auf ihrer eigenen Website liegt hier eindeutig in der Sharing- und Embed-Funktion.

Aber auch die ESA ist auf Soundcloud vertreten und hat gerade mit der Rosetta-Mission und insbesondere mit der kürzlich kürzlich erfolgten Landung von Philae auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko die Möglichkeiten sehr schön genutzt.

Und klar, entfachen jetzt an diversen Stellen wieder die Diskussionen ob man für so etwas Geld ausgeben sollte, oder dieses lieber direkt in die Projekte stecken. Meiner Meinung ist die Antwort da ganz einfach – ja sollte man. Zum einen ist der budgetäre Aufwand für Stellen die sich um so etwas kümmern im Vergleich zum Gesamtbudget eher gering, wenn nicht gar zu vernachlässigen. Zum anderen ist das Wissen was raus muss in die Welt. Nicht nur weil wir es bezahlt haben, es Hunderttausende Menschen interessiert und fasziniert, wir mit solchen Dingen potentiellen Nachwuchs erreichen und begeistern können, sondern weil Wissen nur dann fruchtbar ist, wenn es zugänglich ist und geteilt wird!

Übrigens, wer genauso gern wissenschaftliche Themen über das Gehör aufnimmt, dem sei die Folge 21 des Open Science Radio empfohlen, in der Konrad und ich über unseren Newskonsum gesprochen haben – ab ca. 1h8min gehen wir näher auf unsere Podcastabos ein.


  1. Was hier der Unterschied oder die Aktivitätsmerkmale sind ist mir ziemlich egal und spielt hier überhaupt keine Rolle. 
  2. Ja, es gibt leider auch gegenteilige Entwicklungen wie bspw. die budgetbedingte Schließung des Media Resource Center im Johnson Space Center der NASA: „The Media Resource Center has closed due to limited resources. NASA imagery and communication specialists will continue to identify and publish the best multimedia products available with contextual background and detailed captioning. However, specialized customer service will be limited and JSC’s video loan service will cease.“