Deal mit Elsevier

Es gibt eine Reihe von Unternehmen bei denen mir nicht viel mehr als Kopfschütteln einfällt. In der Wissenschaft bzw. im wissenschaftlichen Verlagswesen ist Elsevier eines solcher Unternehmen. Wobei sich bei mir im Falle von Elsevier regelmäßig Kopfschmerz und stressinduzierter Bluthochdruck zum Kopfschütteln hinzugesellt.1

Jetzt las ich kürzlich, in Vorbereitung zur aktuellen Episode, dass sich die Hochschulrektorenkonferenz mit Elsevier an den Verhandlungstisch setzt. Ergebnis der Verhandlungen soll der Abschluss eines „…deutschlandweiten Lizenzvertrag[s]… mit Laufzeit ab dem 1. Januar 2017“ sein. Aha! Zur Erinnerung: In Deutschland lösten einige Unis, darunter sehr prominent die Unis Konstanz und Leipzig, ihre Verbindungen mit Elsevier bzw. setzten die Verhandlungen mit Elsevier nicht fort.

Auf Anregung der HRK rief die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen das Projekt DEAL  – bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage ins Leben in dessen Rahmen  die Verhandlungen mit Elsevier vorbereitet wurden. Nach Abschluss der Vorbereitungen sind nun die Verhandlungen unter Leitung des HRK-Präsidenten Hippler angelaufen.

Mal abgesehen davon, dass ich Verhandlungen mit Elsevier an dieser Stelle als Fehler ansehe (da ich davon ausgehe, dass man keine besonders „harten“ Verhandlungspositionen einnehmen wird), finde ich es schon fast amüsant, dass das Projekt zur Vorbereitung unter dem Akronym DEAL läuft und damit bereits einen namentlichen Schatten auf die Art und Weise der Verhandlungen und das zu erwartende Ergebnis wirft. Ernsthaft HRK und Allianz: DEAL? Ein besserer Name ist Euch nicht eingefallen?

Nun ja, die Verhandlungen laufen und wir dürfen auf das Ergebnis gespannt sein.2 Man kündigte bereits in der Pressemeldung an, im Laufe der Jahre auch noch Sondierungsgespräche mit Nature Springer und Wiley führen zu wollen  – ich vermute auf Basis des „Deals“ den man da mit Elsevier aushandelt. Aus meiner Sicht wäre eine harte Position der HRK nur all zu gut, aber unwahrscheinlich. Dabei endet die offizielle Pressemitteilung der HRK mit einer interessanten Aussage von Hippler:

„In Zeiten zunehmender Digitalisierung ist die Wissenschaft in hohem Maße von einer schnellen, umfassenden und möglichst barrierefreien Literatur- und Informationsversorgung abhängig. Ich bin überzeugt, dass wir jetzt eine große Chance haben, hier gemeinsam deutlich bessere Bedingungen zu erreichen“

Meines Erachtens hat eine solche Aussage das Potential die Marschrichtung in den Verhandlungen eigentlich nur in eine Richtung zu lenken: in Richtung Open Access! Hoffentlich, Herr Hippler, haben Sie den Anstand ein solches Ziel mit Nachdruck in den Verhandlungen einzufordern!

Update: Als Reaktion auf meinen Tweet zu diesem Blogpost, hatte sich gestern kurz noch Heinz Pampel zu Wort gemeldet und angemerkt, dass es eine gute Sache das die dt. Wissenschaft jetzt endlich mal mit einer Stimme verhandelt. Daraufhin entspann sich eine kurze Diskussion zw. Heinz, André Lampe und mir. Ja, Einigkeit an der Stelle zu zeigen ist gut, es versetzt mich aber nicht in größere Hoffnung hinsichtlich der Verhandlungsposition der HRK.

Update 2: drüben beim Open Science Radio hat Philipp einen Kommentar zur aktuellen Folge hinterlassen (in der wir auch das Thema besprochen haben) und weist auf die Website des Projekt’s DEAL hin sowie auf die ebenfalls zur Debatte stehende Open Access Komponente. Ich fürchte allerdings, dass die HRK nicht mit aller Beharrlichkeit auf dieser Komponente bestehen wird. Und aus meiner Sicht wäre nur die sinnvoll – und zwar komplett offen.


  1.  Warum erklären Konrad und ich regelmäßig im Open Science Radio
  2. Wir dürfen auch gespannt sein, ob die Verhandlungsergebnisse (also der Vertrag) offen zugänglich sein werden. Falls nicht, könnte das ein Fall für das IFG sein.